Tauchen in Ägypten ist nicht wirklich ein Geheimtipp, schon klar. Aber gerade wenn ihr noch neu beim tauchen seid und euch überlegt, wo ihr eure ersten Unterwasser-Erfahrungen sammeln oder die ersten Scheine machen könnte, führt unserer Meinung kein Weg an Ägypten vorbei.
Ägypten ist nicht umsonst bei Tauchern ein beliebtes Ziel: Eine relativ kurze Anreise, Schönwetter-Garantie, eine faszinierende Unterwasserwelt und oftmals günstige Angebote locken daher nicht nur Tauchbegeisterte.
Ich war Ägypten gegenüber daher Anfangs auch etwas skeptisch, weil ich es als zu überlaufen ansah und nicht sicher war, ob die Standards ausreichend sind. Aber fangen wir vorne an:Im Oktober 2024 waren Tom und ich auf Gran Canaria und da Tom schon länger begeisterter Taucher im Verein ist, und mich das Thema auch schon länger interessiert hat, habe ich auf Gran Canaria einen Schnupperkurs gebucht.
Schnuppertauchen im Meer
Ich hatte von Anfang an gesagt, dass ich auf Schnuppertauchen im Schwimmbad keine Lust habe, wenn schon, will ich auch ins Meer! Gesagt, getan, getaucht. Nach kurzer Einführung ging es dann auf 6 m runter und auch wenn ich erst mal super nervös war, hat mich die Unterwasserwelt direkt begeistert. Für mich war klar: Ein Tauchschein muss her!
Den wollte ich auch gerne irgendwo machen, wo das Meer warm und die Sicht klar ist. Gleichzeitig wollte ich kein Vermögen ausgeben, aber trotzdem sicher unterwiesen werden. Tom schlug direkt Ägypten vor, denn das Rote Meer verfügt nach wie vor über wunderschöne Korallenriffe.
Auf zum Open Water Course und jeder Menge Theorie
Nun war ich wie schon erwähnt ob das wirklich das richtige ist, recherchierte über deutschsprachige Tauchschulen und wir fragten ein paar Leute aus Toms Verein. So fiel die Wahl schließlich auf Makadi Bay und dank eines Angebots der TUI ging es im Januar 2025 für eine Woche all-in inkl. Flüge für 1600 € gesamt ins TUI Blue Makadi. Direkt daneben befindet sich die von einer Deutschen geführten Tauchschule Scuba World Divers Makadi Bay.
Ich entschied mich für den weltweit anerkannten Kurs von PADI, den Open Water Course, der über vier Tage geht,. Mit der Tauchschule vor Ort hatten wir bereits im Vorfeld Kontakt aufgenommen, die ärztliche Tauchbescheinigung geschickt usw. Vor Ort erklärte uns die Besitzerin den weiteren Ablauf und stellte uns unseren Tauchlehrer Haegi vor. Doch bevor es ins Wasser ging stand erst mal Theorie auf dem Plan, und zwar in Form von mehr oder weniger spannenden Lernfilmen von PADI.
Aber auch das ging vorbei und ich konnte mit der Praxis beginnen, was mir eh mehr liegt als schnöde Theorie. Dachte ich zumindest.


Endgegner: Maske ausblasen
Motiviert aber keinesfalls überzeugt unter Wasser zu überleben und das Zusammenbauen des Equipments zu beherrschen, ging es dann am zweiten Tag nachmittags zum ersten Tauchgang.
Erst mal wurde am Strand geübt, denn bei 1 m kann jetzt wirklich niemand ertrinken. Mein Problem ging allerdings schon hier los; das Gefühlt mit dem Gesicht unter Wasser zu sein und nicht durch die Nase atmen zu können, war für mich extrem gewöhnungsbedürftig. Ein paar Meter unter Wasser war das aber irgendwie weniger schwierig, allerdings tauchte für mich bei einer späteren Übung ein sehr viel größeres Problem auf: Maske ausblasen! Alle erfahrenen Taucher werden jetzt wissend nicken, denn wirklich cool findet diese Übung am Anfang wohl niemand.
Für alle, die nicht Bescheid wissen ganz kurz erklärt: Es kann beim Tauchen immer mal passieren, dass Wasser in die Maske gelangt oder man zB durch einen Flossenschlag eines anderen Tauchers seine Maske verliert. Daher ist es sehr wichtig dann nicht in Panik zu verfallen, sondern die Maske ruhig wieder aufzusetzen. Um das zu bewerkstelligen, muss man seine Maske vom Wasser befreien, und das geht indem man die Maske oben festhält, den Kopf nach hinten legt und mit der Nase in die Maske bläst. Die einströmende Luft verdrängt dann das Wasser und die Maske ist wieder leer. Eigentlich ganz simpel und logisch, oder? Pustekuchen! Diese Übung brachte mich wirklich fast zum verzweifeln und ich war kurz davor den Kurs abzubrechen.
Wie ich doch noch zur Taucherin wurde und wieso Tauchen sehr wohl Sport ist
Die Chefin der Tauchschule erklärte mir dann, dass viele Frauen damit Probleme haben, da bei uns Frauen der Bereich um Mund/Nase wohl empfindlicher ist, wenn er mit Wasser in Kontakt kommt und bot mir an, das Ganze im Pool nochmal in Ruhe zu üben. Trotz des deutlich kühleren Poolwassers (das Meer hat im Januar angenehme 25 Grad, der Pool war bei max 21 Grad) gelang es mir dort meiner Panik Herr zu werden und so klappte es schließlich und endlich doch noch mit dem Tauchschein. Auch Tom redete mir gut zu und überzeugte mich es nochmal zu versuchen als ich am Verzweifeln war.
Übrigens: Wer jemals auf den Gedanken gekommen sein sollte, dass Tauchen kein richtiger Sport ist, dem sei versichert, das ist Quatsch. Ich war selten so platt wie nach 2 Tauchgängen in den ersten Tagen, denn gerade wenn man das nicht gewohnt ist, ermüdet Tauchen extrem. Nicht nur der Weg mit dem schweren Equipment zum oder aus dem Wasser, vor allem der hohe Umgebungsdruck, der dazu führt, dass sich Stickstoff im Körper anreichert und eine sogenannte Stickstoffnarkose verursacht, was das das zentrale Nervensystem beeinflusst. Vom Schwimmen an sich und dem Stress unter dem man gerade als Tauch-Neuling steht, ganz zu schweigen.



Gebt euch Zeit!
Die Tauchschule in der ich war bietet den OWD übrigens an vier statt wie die meisten anderen an drei Tagen an. Was nervig oder nach Geldmacherei klingen mag, ist meiner Meinung nach aber sehr sinnvoll. Gebt euch zeit, denn Tauchen sollte man mit großer Ernsthaftigkeit betreiben, weil es eben potenziell auch sehr gefährlich bis tödlich enden kann, wenn man zB sein Equipment nicht im Griff hat.
Nach vier Tagen Theorie und drei Tagen im Wasser kann so etwas wie eine erste Routine und Sicherheit überhaupt erst entstehen und ja, auch ich habe dann die praktische und theoretische Prüfung bestanden 😊. Es hat mich einige Überwindung gekotet und ganz ehrlich, manche Übungen habe ich wirklich gehasst, aber die faszinierende Unterwasserwelt hat mich absolut entschädigt. Denn die Farbenvielfalt, die wunderschönen Korallen, die Rochen, Schildkröten und die großen bunten Fische (deren Namen ich noch lernen muss) sind ein absoluter Traum.






Die ersten 10 Tauchgänge bist du mit Überleben beschäftigt
Daher, auch wenn es nach einem langweiligen 0-8-15 Urlaub klingen mag, wenn ihr tauchen möchtet bietet sich Ägypten absolut an. Auch deswegen, weil Ägypten maximal auf Tauchen ausgelegt ist. An nahezu jedem größeren Hotel ist eine Tauchbasis mit Steg, die ins Meer führt, was zu einem bequemen Einsteigen oder auch Aussteigen hilft.
Und Tauchen ist übrigens ein Sport, den ihr auch wunderbar als Paar machen könnt, denn hier ist es egal ob einer schneller, stärker oder fitter ist, das Ziel ist nicht eine bestimmte Zeit oder so etwas zu erreichen. Sondern es geht um das gemeinsame Erleben und der Weg ist das Ziel
Die beiden Fun-Tauchgänge nach dem OWD waren dann mit Tom gemeinsam für mich einfach nur toll und ich konnte langsam anfangen es wirklich zu genießen. Auch wenn ich Toms Aussage völlig Recht gebe: „Die ersten 10 Tauchgänge bist du mit Überleben beschäftigt, danach fängst du langsam an zu genießen!“ Und das tun wir seitdem so oft es geht – mehr erfahrt ihr in weiteren Artikeln 😊





